Tiergestützte Therapie mit Hunden | Mehr als nur streicheln

Ein Beitrag von Joyc Thoms-Holicki und Melanie Kridde

„Vor 12 Jahren haben Charles und ich uns kennengelernt, Charles war 9 Wochen alt.“, berichtet Melanie Kridde. Mittlerweile verstärkt Oskar das Team und wird von Charles „angelernt“, so dass Charles bald seinen verdienten Ruhestand antreten kann. Frau Kridde arbeitet als Ergotherapeutin im PSW. Ein Schwerpunkt ihrer therapeutischen Arbeit ist die tiergestützte Therapie, hierfür hat sie eine Zusatzqualifikation zur Kynotherapeutin absolviert (Kynologie = Lehre von den Hundeartigen, Therapie = Behandlung).

Charles und Oskar gehören zur Hunderasse Bearded Collie. Ihr Wesen wird als sehr zuverlässig, fröhlich, ausgeglichen und aufmerksam beschrieben. Frau Kridde unterstreicht diese Eigenschaften und fügt hinzu: „Die Rasse ist sehr liebenswert, manchmal werden sie auch als Clowns bezeichnet, sie wollen mittendrin sein.“. Die beiden Vierbeiner unterstützen Frau Kridde bei ihrer therapeutischen Arbeit. Sie motivieren die Bewohner*innen, ihre motorischen und kognitiven Fähigkeiten zu aktivieren.

Der große Unterschied zwischen einem Besuchshund und einem Therapiehund ist, dass der Besuchshund von einem Hundehalter ohne therapeutische Ausbildung geführt wird. Der Therapiehund ist kein Therapeut, sondern der geschulte Mensch leitet den Hund an.

Melanie Kridde mit ihrem Therapiehund Charles 

 „Unsere Bewohnerinnen und Bewohner haben in ihrem Alltag viele unterschiedliche soziale Kontakte. Da fällt es gerade demenziell erkrankten Bewohnerinnen und Bewohnern schwer, die Gesichter und Stimmen den verschiedenen Personen zuzuordnen. Betrete ich aber mit einem Hund den Raum, wird sofort aufgeschaut. Die Bewohnerin oder der Bewohner setzt sich auf, sucht den Kontakt, bewegt sich, tritt in Aktion – hier wird definitiv eine andere Beziehungsebene angesprochen, als wenn ich allein den Raum betrete.“

Weiterhin berichtet Frau Kridde von ihren Beobachtungen, dass die Hunde scheinbar die emotionale Gemütslage von Bewohnerinnen und Bewohnern durchaus erkennen. Ist jemand traurig, setzt sich Charles daneben. Das hat den positiven Effekt, dass bei der Bewohnerin oder dem Bewohner Glückshormone freigesetzt werden.

Unser Motivator Oskar

Charles und Oskar sind große Hunde, das ist für die tiergestützte Therapie mit den Bewohner*innen von Vorteil. Auch im Rollstuhl sitzende Personen erreichen Charles und Oskar. Die beiden Hunde können gestreichelt werden, ohne dass sie auf dem Schoss sitzen müssen. Das lange Fell stellt sofort den Aufforderungscharakter zur Berührung dar. Nähe, Zuwendung und Geborgenheit sind zentrale Punkte für die Bewohner*innen, hier setzen die Hunde an. „Sich kuscheln lassen“… Es gibt keine Berührungsängste wie bei den Menschen“, sagt Frau Kridde, „die Bewohnerinnen und Bewohner können ihren Gefühlen freien Lauf lassen“.

Frau Kridde zieht ein Fazit:

„Viele Menschen fragen mich: ´Das sind Therapiehunde, ach…, was können sie denn? Können sie Kunststücke vorführen?`

Charles und Oskar begleiten mich in meiner therapeutischen Arbeit, sie unterstützen mich und sind oft die Eisbrecher und Türöffner für jegliche Form der Kommunikation und Interaktion. Im Vordergrund steht dabei immer, die Bewohnerin und den Bewohner in seiner Welt zu erreichen und sinnvoll (kynotherapeutisch) zu betreuen.“.

In unserem nächsten Beitrag stellen wir vor, wie eine Stunde Kynotherapie abläuft.  

Also dranbleiben!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Share on facebook
Share on twitter
Share on email

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen